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Doppeltür: Verein reicht bald Baugesuch ein

Das jüdisch-christliche Vermittlungsprojekt in Lengnau schreitet voran – mit weiterer Geldgeberin und einem Schulkonzept für den Lehrplan 21.

(Quelle Artikel: Aargauer Zeitung, Stefanie Garcia Lainez)

Das Projekt Doppeltür hat internationale Ausstrahlung und war von Anfang an ambitioniert: Ein Besucherzentrum will die jüdisch- christliche Geschichte von Endingen und Lengnau vermitteln und sich mit aktuellen gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen. Dazu wurde 2016 der gleichnamige Verein Doppeltür ins Leben gerufen. Ab 2023 sollen jährlich rund 30 000 Besucherinnen und Besucher nach Lengnau in das neue Besucherzentrum reisen. Das aufwendige Projekt kommt trotz Corona in grossen Schritten voran: Bis im Herbst soll die Baueingabe erfolgen – ein weiterer Meilenstein in der Umsetzung.

«Klar erschwert Corona die Arbeit», sagt Vereinspräsident Lukas Keller. «Wir sind aber trotzdem gut unterwegs und zufrieden, was wir bisher erreicht haben.» Auch, was die Finanzen betrifft: Viele Stiftungen und Privatpersonen engagieren sich mit namhaften Beträgen, so kürzlich auch die Ernst-Göhner-Stiftung. Bereits im Dezember sprach der Kanton 4,65 Millionen Franken – vier Millionen sind für die Projektumsetzung vorgesehen, 650 000 Franken für den späteren Betrieb während der ersten fünf Jahre. Damit rückt der Verein dem Ziel von rund 11,2 Millionen Franken (inklusive einer Million als Reserve) näher. «Wir sind im Fahrplan, aber noch nicht am Ziel.»

Von Ende 1776 bis 1866 waren Lengnau und Endingen die einzigen Ortschaften in der Schweiz, in denen sich Juden dauerhaft niederlassen und eigene Gemeinden gründen durften. Davon zeugen noch heute die Doppeltüren an zahlreichen Häusern. Roy Oppenheim, Publizist und Initiant des Projekts, bezeichnet die beiden Surbtaler Dörfer darum symbol- und geschichtsträchtig als das «Rütli der Schweizer Juden». Im historischen Doppeltürhaus an der ürcherstrasse in Lengnau, nur wenige Meter von der grossen Synagoge beim Dorfplatz entfernt, soll diese Geschichte bald einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Zurzeit bereinigt der Verein das im vergangenen Herbst erarbeitete Vorprojekt. «Wir sind dazu mit verschiedenen interessierten Stellen im Kontakt», sagt Keller. Darunter auch die Denkmalpflege, mit der ein konstruktiver Austausch bestehe. Denn Lengnau ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung aufgeführt. «Wenn das Vorprojekt sauber ausgearbeitet ist, stellen wir das Baugesuch», sagt der ehemalige Endinger Ammann.

Auch in anderen Bereichen schreitet das Projekt voran. So hat der Verein seit kurzem ein neues Logo: zwei sich überschneidende Türen, welche die Annäherung verschiedener Kulturen als Schnittmenge symbolisieren. Auch wurde die Website überarbeitet. Eine vertieftere Betrachtung ist für das Mobilitätskonzept nötig, das die Bedürfnisse des Besucherzentrums, der Bevölkerung und der Umwelt unter einen Hut bringen soll. Ein Verkehrsplaner ermittelte die Frequenzen und den Bedarf. Zurzeit wird das Konzept erarbeitet, das auch regelt, wo die Besucher parkieren können.

Mobilitätskonzept: Erste Gespräche mit Gemeinderat
«Das Dorfzentrum ist schon eng, gerade auch für Cars», sagt Lukas Keller. Hinzu kommt, dass sich die Gemeinde zurzeit mit der Zentrumsentwicklung beschäftigt, die im Dorfkern, also direkt vor dem Eingang des geplanten Besucherzentrums, eine Begegnungszone mit Tempo 20 als Ziel definiert. «Es braucht deshalb einen regen, gegenseitigen Austausch mit dem Gemeinderat, um unser Konzept und die Zentrumsplanung aufeinander abzustimmen. » Erste Gespräche mit dem Lengnauer Gemeinderat fanden bereits statt.

Seit Anfang dieses Jahres ist beim Verein Doppeltür die Arbeitsgruppe Schulen aktiv: In Kooperation mit pädagogischen Hochschulen und dem Historischen Museum Baden werden Programmideen und Unterrichtsmaterial erarbeitet. Das Angebot soll sich am Lehrplan 21 orientieren. Ende dieses Monats steht ausserdem fest, wie die Ideen und Inhalte des Begegnungszentrums visuell umgesetzt werden. Derzeit läuft ein Wettbewerb mit vier auf räumliche Gestaltung und Szenografie spezialisierten Firmen. Danach starten die ersten Umsetzungsarbeiten.

(Quelle Artikel: Aargauer Zeitung, 21.04.2021)

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