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Auf der Baustelle des künftigen Besucherzentrums

Die Botschaft

Nach dreimonatigem Rückbau eines Grossteils des Vorgängerhauses, haben auf der Baustelle des Zentrums Doppeltür die Hochbauarbeiten begonnen. Ein Rundgang mit Bauleiterin Karin Schultz und Bauführer Marco Meier.

LENGNAU Es ist ein eindrückliches Bild. Wo vorher ein grosses, mehrstöckiges Wohnhaus stand – mit tiefem, rückwärtigem Anbau, aber ohne Kellergeschoss – liegt momentan eine Baugrube von beachtlichem Ausmass. Vom 250-jährigen Vorgängerbau sind die Frontfassade und auf beiden Hausseiten etwa die Hälfte der Seitenfassade erhalten geblieben.

Im Hintergrund zu erkennen sind das kleine Gebäude der ehemaligen Mikwe und die Nachbarhäuser am Spycherweg und an der Zürichstrasse.

Vom Baugerüst bietet sich ein Blick auf die mehrere Meter unter Grund liegende Baugrube, zudem sind massive Stahlkonstruktionen auszumachen. Sie dienen sowohl der Sicherung der Baugrube als auch der Sicherung der noch stehenden Mauern der Front-  und Seitenfassaden.

Spatenstich am 26. März
Das «Haus am Platz», direkt im Zentrum von Lengnau und schräg vis-à-vis der Synagoge gelegen, konnte die Stiftung «Doppeltür» im Herbst 2018 erwerben. Es gehörte zuletzt der Familie Degen-Müller.

Die siebeneinhalb Jahre, die seither vergangen sind, wurden einerseits genutzt, um eine Stiftung Doppeltür zu gründen. Sie hatte – unter anderem – die Aufgabe, die Mittel für den Umbau des Wohnhauses in ein Besucherzentrum aufzubringen. Parallel dazu galt es zuerst ein Vorprojekt, später ein Bauprojekt für das künftige «Zentrum Doppeltür» zu erarbeiten. Dies geschah in enger Absprache mit Denkmalpflege, Bauverwaltung und Nachbarschaft.

Das Bauprojekt lag im 2024 vor. Weil noch einmal zusätzliche Mittel notwendig waren, verzögerte sich die Umsetzung des Vorhabens. Die Zeit wurde genutzt, um die Inhalte und die Szenografie, die im Zentrum zum Einsatz kommen sollen, zu erarbeiten.

Im 26. März 2026 aber war es dann so weit: Im Beisein von alt Bundesrätin Doris Leuthard, von Regierungsrat Dieter Egli, von über 50 Lengnauer Primarschulkindern in Baumontur und von fast 100 Personen, die den Fortschritt des Projekts bislang entscheidend mitgeprägt hatten, wurde der Spatenstich ausgeführt.

Im Grundwasser gebaut
Bald nachdem die Dorfbewohner blaue Ballone hatten in die Höhe steigen sehen über dem Zentrumsplatz, war dann vorerst fertig mit «gemütlich» auf der Baustelle. Die Anstösser und die Dorfbevölkerung waren in der Folge etlichen Emissionen ausgesetzt.

Für die Rückbauarbeiten und die Sicherung der neuen Baugrube zeichnete die Firma Stocker Tiefbau verantwortlich. Laut Karin Schultz, der zuständigen Bauleiterin des Büros quali-bau GmbH, galt es, wie bereits angedeutet, sicherzustellen, dass die Frontfassade und Teile der Seitenfassaden des Vorgängerbaus sicher stehen bleiben.

Andererseits galt es eine allen Richtlinien und Vorgaben entsprechende Baugrube zu erstellen. Nicht ganz einfach, denn das künftige Besucherzentrum wird anders als das Vorgängerhaus über ein Untergeschoss verfügen und dieses UG kommt vollständig im Grundwasser zu liegen.

Alles musste solid in Grund und Boden befestigt werden. Insgesamt, so schätzt Bauführer Marco Meier, seien auf der Baustelle rund 350 Kubikmeter Beton verbaut worden, bevor überhaupt daran gedacht werden konnte, mit dem Rohbau zu beginnen.

Stahlträger und Holzbalken
Die Baugrube musste aber nicht nur stabil und sicher bis an die erlaubten Grenzen ausgebaut sein, sie musste auch 100 Prozent wasserdicht sein. Dazu waren mit einem speziellen Bohrgerät dutzende Stahlträger stehend und sieben Meter tief in den Boden zu stellen. An diese Stahlträger heran konnte die neue Aussenwand der Baugrube betoniert werden.

Gleichzeitig galt es die stehengebliebenen Fassaden mit massiven, quer- und diagonalstehenden Stahlträgern und zahlreichen Holzbalken so zu stabilisieren, dass sie auch nach dem Umbau noch stehen, wo sie standen.

Um das zu überprüfen und um sicherzugehen, dass es auf der Baustelle zu keinen ungewollten Verschiebungen oder Rissen in der Substanz kommt, werden zweiwöchentlich Deformationsmessungen durchgeführt.

Das aufsteigende Grundwasser galt es permanent über ein extra dafür eingerichtetes Absetzbecken zu neutralisieren, bevor es weiter in die Abwasserreinigungsanlage geführt werden konnte.

Das Besucherzentrum vor Augen
Wer sich aktuell mit Bauleiterin und Bauführer im Untergeschoss auf der Betonplatte bewegt, die als Fundament für den gesamten rückwärtigen Neuaufbau des Hauses erstellt wurde, kann dank stehender Eisen bereits erahnen, wie die Raumaufteilung des späteren Besucherzentrums im Untergeschoss aussehen wird.

Zuhinterst, verlängert in Richtung Mikwe, ist ein Veranstaltungsraum geplant. Das Tageslicht wird über Oblichter einfallen, ansonsten wird von diesem Raum über Boden nichts mehr zu sehen sein. Die Gartenanlage, die am gleichen Ort vorher existierte, wird wieder erstellt.

Weiter sind ein Raum für ein grösseres Gemeinschaftskino und mehrere, kleinere Räume für Einzelkinos vorgesehen. Eine Treppe wird Besuchende ins UG führen, auch WC-Anlagen und Technikräume kommen ins Untergeschoss zu liegen.

Wie Bauleiterin Schultz erklärt, sei der Bau des Untergeschosses das anspruchsvollste Element des Umbaus. Wobei neben der Umsetzung im Grundwassergebiet auch der Anschluss an die bestehenden Fassaden an der Schwelle Untergeschoss/Erdgeschoss herausfordernd ist.

Nachher wieder wie vorher
Wie bereits erwähnt, galt es vor Baubeginn mit Denkmalpflege & Co. zu klären, welche Elemente des «Haus am Platz» erhalten werden müssen und welche nicht. Klar scheint: Weil das Gebäude prominent im Zentrum, in direkter Nachbarschaft zur Synagoge steht, soll es, was das Gesamtbild und die Front- und Seitenfassaden angeht, nach dem Umbau wieder fast identisch daherkommen wie vor Baubeginn.

So haben Dachdecker und Zimmermann beispielsweise den Auftrag, nach Fertigstellung vom ersten und zweiten Obergeschoss in den Monaten Februar/März, einen Dachstock umzusetzen, der baugleich ist zu jenem, der zurückgebaut wurde.

Auch Dachform und Dachaufbau sowie die Vorderfront des Gebäudes sollen in Zukunft wieder fast identisch daherkommen. Mit Ausnahme des Eingangsbereichs des künftigen Zentrums Doppeltür, dieser wird neu gestaltet.

Die Fenster an den Seitenfassaden werden zum Teil neu gebaut, aber auf gleiche Art wie vorher. Ein Fenster, das vorher nicht mehr sichtbar und im Rahmen eines früheren Umbaus zugemauert wurde, wird wieder geöffnet.

Zu erhalten sind insbesondere eine Wappentafel von 1689, die vermutlich zwar einer Zweitverwendung entspricht und einst an der Fassade des Gasthauses zum weissen Rössli angebracht war, die aber Original ist. Ebenfalls erhaltenswert ist die mittig geschweifte Dachgaube im zweiten Obergeschoss.

Neu geschaffen werden darf auf der Rückseite des Gebäudes ein kecker Glasanbau.

 

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(Quelle Text: Die Botschaft)

 

 

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