Von Stefanie Garcia Lainez, Aargauer Zeitung
Im Beisein der ehemaligen Bundesrätin und Regierungsrat Dieter Egli: Der Spatenstich am Donnerstag lanciert den Baustart für das Zentrum Doppeltür mit internationaler Ausstrahlung. Die Eröffnung ist für 2028 geplant.

«Das jüdisch-christliche Zusammenleben mit den Doppeltüren zeigt, wie es möglich ist, Tür an Tür zusammenzuleben», sagte alt Bundesrätin Doris Leuthard (Die Mitte) zu den mehr als 100 Gästen, die am Donnerstagabend gemeinsam den Spatenstich des neuen Besucherzentrums am Dorfplatz in Lengnau feierten. Zuvor hatten die Primarschulkinder zwei selbstgeschriebene Lieder vorgetragen und unter Trompetenklängen der Clairongarde Ehrendingen Ballone in die Luft steigen lassen.
Das Zentrum in Lengnau ist das Herzstück des aufwendigen Vermittlungsprojektes Doppeltür, das die einzigartige jüdisch-christliche Geschichte von Endingen und Lengnau einem breiten Publikum zugänglich macht. Von Ende 1776 bis 1874 waren die beiden Surbtaler Dörfer die einzigen Ortschaften im Land, in denen sich Juden dauerhaft niederlassen und eigene Gemeinden gründen durften. Noch heute zeugen die Doppeltüren davon, zwei nebeneinander liegende Eingänge zum selben Haus.
Leuthard: «Surbtal ist historisch extrem wichtig»
«Das Surbtal mit Lengnau und Endingen ist historisch extrem wichtig für die ganze Schweiz», sagte Doris Leuthard weiter. «Es entstand eine einzigartige Form des Zusammenlebens, gleichzeitig zeugt es aber auch von Diskriminierungen, von Einschränkungen und Abneigung. Die Doppeltüren sind eine Form von Nähe, aber auch der Trennung.» Als Aargauerin sei sie stolz, dass der Kanton mit dem Projekt Doppeltür ein Zeichen setze «durch das Sichtbarmachen von multireligiösem und multikulturellem Zusammenleben».
Regierungsrat Dieter Egli (SP) ergänzte: «Was wir heute feiern, ist das Startsignal für die Entstehung eines ganz besonderen Ortes – zur Pflege des kulturellen Erbes dieser einzigartigen Region mit ihrer einzigartigen jüdisch-christlichen Geschichte.» Hier werde nicht nur erinnert, sondern vermittelt. «Geschichte soll der Gegenwart und der Zukunft zugänglich gemacht werden, das ist das Besondere.» Für alle entstehe eine Begegnungsstätte, die die jüdisch-christliche Tradition erlebbar macht. «So wird Geschichte weitergeschrieben, weiterentwickelt.»
Der Kulturschatz im Surbtal, aber auch mit der Synagoge in Baden, soll zeigen, dass das jüdische Leben im Aargau speziell sei, sagte Dieter Egli weiter. «Aber eben auch ganz normal. Dass es zu unserem religiösen Alltag gehört.» Gerade in einer Zeit, in der Vorurteile und Ressentiments wieder salonfähig werden, seien Orte wichtig, die Wissen, Respekt und Toleranz stärken. «Die verbinden, weil sie sensibilisieren für beides – für Verschiedenheit und Gemeinsamkeit.»

Was das Surbtal und seine Geschichte damals ausmachte, seien nicht die Häuser, die Mauern und die Strassen gewesen, sondern die jüdischen und christlichen Menschen, sagte Lukas Keller, Präsident der Stiftung Doppeltür. «Sie haben ein Zusammenleben gefunden, wo Respekt und Toleranz Voraussetzung waren, um die Andersartigkeit und die andere Religion im täglichen Leben anzuerkennen.» Es liege an unserer Gesellschaft, Räume zu schaffen, in denen Offenheit, Meinungsvielfalt und Rücksicht und Zusammenhalt wachsen könnten. «Voller Überzeugung sage ich auch mit einem zwinkernden Auge auf eine bekannte Fernsehwerbung: Die Welt muss besser werden, wir haben die Ideen, du das Leben.»
Spontan richtete auch Ralph Friedländer, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, das Wort an die Gäste. «Wir schätzen es sehr, dass ihr die schönen Aspekte des auch schwierigen Zusammenlebens hervorhebt.»
2028 ist die Eröffnung geplant
In den kommenden Tagen starten am Spycherweg die umfassenden Umbauarbeiten des dreistöckigen Doppeltürhauses, das sich in nächster Nähe zur Synagoge befindet. 2028 ist die Eröffnung des Zentrums Doppeltür vorgesehen. Bis zu 25’000 Besucherinnen und Besucher werden jährlich erwartet. Das Gesamtprojekt kostet rund 13 Millionen Franken.
Mit einer interaktiven Ausstellung werden die Besuchenden dereinst Einblicke in die aussergewöhnliche Geschichte des jüdisch-christlichen Zusammenlebens im Surbtal erhalten. Auch werden die Menschen zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlich zentralen Themen wie Respekt, Toleranz und Integration eingeladen. Ein historischer Film versetzt das Publikum zurück ins 19. Jahrhundert.
Nebst dem Besucherzentrum sind auch das jüdische Tauchbad respektive die Mikwe in Endingen, der Jüdische Kulturweg und die Doppeltür-Schulmodule zentraler Teil des Vermittlungsprojektes. Doppeltür entsteht mit Unterstützung des Kantons Aargau sowie der breiten Öffentlichkeit.
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(Quelle Text: Aargauer Zeitung / Quelle Bild: Valentin Hehli)

