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Svizra27 macht Basel überraschend zur Expo-Hauptstadt

Werden die Pläne einer Landesausstellung real, wird Basel-Stadt 2027 zum «Denkkopf» der Schweiz. Acht «Raumzeitkapseln» stehen an den Flüssen des Mittellands vom Jura bis in den Aargau.

Die Jury von Svizra27 hat entschieden: Ein Team um die Aargauer Architektinnen Fabienne Hoelzel und Claudia Meier hat mit seinem Projekt «Labor Ludens» (Spielwerkstatt) den Zuschlag erhalten, die nächste Landesausstellung zu kreieren.

An neun Orten der Nordwestschweiz soll sie stattfinden. Alle liegen sie an Flüssen, die gleichsam eine «Metapher der Transformation» seien, wie Hoelzel sagt. Acht sind als «Raumzeitkapseln» konzipiert; sie zeigen Zukunftsentwürfe innerhalb des übergeordneten Leitthemas «Mensch – Arbeit – Zusammenhalt». Der neunte Ort, der «Denkkopf», soll Schwerpunkt und identitätsstiftende Klammer der Svizra27 sein. Sie wolle spielerisch die Zukunft der Arbeit zeigen, nicht als Behauptung, wie sie sein werde, sondern als Fragmente, wie sie sein könnte.

Die Realisierung steht unter verschiedenen Vorbehalten. Zum einen muss das Milliardenprojekt erst politische und finanzielle Hürden unbeschadet überwinden. Zum anderen muss der Bund tatsächlich Svizra27 den Zuschlag geben und nicht einer der konkurrierenden Initiativen Nexpo, X-27 oder Muntagna.

Svizra27 hat einen Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern
Svizra27 ist den anderen Projekten mittlerweile jedoch sowohl organisatorisch als auch konzeptionell enteilt. Während jene noch an einer Professionalisierung ihrer Strukturen basteln oder den vorhandenen Wolkenideen versuchen, eine gewisse Erdhaftung zu verleihen, startet Svizra27 mit einer Machbarkeitsstudie. In den nächsten zwei Jahren wird das Projekt konkretisiert und auf Akzeptanz getestet.

Die budgetierten vier Millionen Franken sind weitestgehend gesichert. Die öffentliche Hand, das heisst der fünf Nordwestschweizer Kantone Jura, Solothurn, Baselland und Basel-Stadt sowie Aargau, sichert die eine Hälfte, die Wirtschaft die andere.

Bestimmt ist bisher erst Basel als zentraler Austragungsort. In und um die Messe soll eine Reflexion über die Landesausstellung stattfinden. Hier soll es brodeln», sagt Hoelzel. Als «kulturell, gesellschaftlich und kommerziell aufgeladener Ort», biete er sich dafür an. Dass ausgerechnet Basel eine zentrale Rolle spielen soll, hatte sich bisher nicht abgezeichnet. Die Basler Regierung hat zwar solidarisch mit den anderen Nordwestschweizer Kantonen einen Obulus an die Vorarbeiten entrichtet, einen solchen allerdings auch an das Konkurrenzprojekt Nexpo geleistet, das von einer Reihe von Städten getragen wird.

Wie die Kapselthemen «Landwirtschaft», «Lebenskunst», «Ernährung», «Algorithmen», «Fürsorgearbeit», «Künstliche Intelligenz», «Gemeinschaft» und «Identität» genau ausgestaltet sein und an welchen Orten sie inszeniert werden, ist jedoch unbestimmt. Der Wettbewerb der Standorte ist nun allerdings lanciert; zwischen denen, die um jeden Preis auf die Svizra-Landkarte wollen, und jenen, die sich vor den Besucherströmen fürchten.

Die Handschrift der Architekten
Alle «Typologien» sollen berücksichtigt werden, sagt Jurymitglied und Architekt Pierre de Meuron; die grosse Stadt ebenso wie der kleine Ort, urbane wie rurale Gegenden. Die Vielfalt der Schweiz solle sich in der Vielfalt der Nordwestschweiz abbilden. Das dahinterliegende Schweiz-Bild hat de Meuron bereits vor Jahren beim ETH-Studio Basel entwickelt. Enger Mitarbeiter war damals der Architekt Manuel Herz, der nun ebenfalls dem Jury-Ausschuss angehörte.

Das prominente Gesicht dieses Ausschusses ist jedoch Doris Leuthard. Der Part der ehemaligen Bundesrätin ist es, zu begründen, weshalb es eine Landesausstellung überhaupt brauche und mit welchem Gefühl eine Svizra-Besucherin nach Hause fahren soll: «Wow! – Ich bin Teil der Zukunft.»

(Artikel: St. Galler Tagblatt, Christian Mensch / Quelle: www.tagblatt.ch) (Bild: Alt-Bundesraetin Doris Leuthard präsentiert das Siegerprojekt für die Landesausstellung Svizra27. | Quelle: Georgios Kefalas / KEYSTONE)

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