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20-Tonnen-Zelt: «Wir sprechen von einem Weltrekord»

Voller Stolz präsentiert Phänomena-Leiter Urs Müller das aufblasbare Zelt für die Wissenschafts-Ausstellung im Dietiker Niderfeld.

Martin Rupf

Wie über Nacht aus dem Boden geschossene Champignons stehen sie im Dietiker Niderfeld. Ja, aus dem Boden geschossen sind sie tatsächlich, nämlich Anfang dieser Woche. Die Rede ist von den sechs Zeltkuppeln, in denen ab 14. März die Wissenschafts-Ausstellung Phänomena Zehntausende Besuchende anlocken soll.

Urs Müller, Gesamtleiter und geistiger Vater der Ausstellung, empfängt die Medienvertreter an diesem nebligen Vormittag. Ihm sind die Vorfreude und vor allem die Erleichterung, dass der Startschuss für die Ausstellung nun endlich erfolgt ist, deutlich ins Gesicht geschrieben.

Mit gutem Grund: Erst musste die ursprünglich für 2023 geplante Ausstellung mehrmals verschoben werden, und im Sommer 2025 entschieden sich die Ausstellungsmacher aus Kostengründen für eine Wanderausstellung durch die Schweiz statt einer fixen Ausstellung in Dietikon.

Müller, nicht bekannt für grosse und laute Töne, verrät gleich zu Beginn der Ortsbegehung: «Was Sie hier sehen, ist das grösste aufblasbare Zelt der Welt – wir sprechen von einem Weltrekord.» Tatsächlich sind die Dimensionen eindrücklich. Das aus sechs Kuppeln bestehende Zelt hat eine Fläche von über 2200 Quadratmetern, was knapp einem halben Fussballfeld entspricht, und misst an der höchsten Stelle 15 Meter.

Aufpumpen hat acht Stunden gedauert
Getragen werden die Zelte von den mit Luft gefüllten Wänden. Anders als bei Traglufthallen müsse man nicht dauernd Luft in die Phänomena-Zelte pumpen. «Hätten wir auf eine Traglufthalle gesetzt, hätte das Pumpen mit Luft uns rund eine halbe Million Franken Stromkosten pro Jahr gekostet», führt Müller weiter aus.

Man habe das insgesamt 20 Tonnen schwere Zelt extra in China anfertigen lassen. Um es aufzurichten, sei ein 220-Tonnen-Pneukran zum Einsatz gekommen. Das Aufpumpen habe dann rund acht Stunden gedauert.

Die mit Luft gefüllten Wände hätten auch den Vorteil, dass sie gut isolieren würden. «Das bedeutet vor allem auch im Sommer, dass es im Zelt nicht so heiss sein wird wie draussen.» Und was, wenn jemand der Wand – extra oder versehentlich – ein Loch zufügt? «Das ist nicht weiter tragisch», so Müller. Erstens sorge ein System dafür, dass immer gleich viel Druck in den Wänden herrsche. Und zweitens könne man kleinere Löcher ohne Probleme flicken. Das Gesamtgewicht der Zelte,
wie sie jetzt im Dietiker Niderfeld stehen, beträgt aber nicht 20, sondern 120 Tonnen. «Um die Zelte sturmsicher zu machen, sind am Boden grosse Schläuche angebracht, die wir mit Wasser gefüllt haben – ähnlich den mobilen Wasserschutzsperren», so Müller.

Kommunizieren mit einem Bienenvolk
Noch präsentieren sich die Zelte leer. Doch bereits in etwas mehr als einem Monat eröffnet die Phänomena am 14. März die Ausstellung. Es ist die zweite Phänomena nach 1984. Urs Müllers Vater Georg Müller war es, der die erste Ausstellung am Zürichhorn auf die Beine stellte. Die naturwissenschaftliche Ausstellung lockte damals rund 1,2 Millionen Besucher an das Stadtzürcher Seeufer. Für die Wanderausstellung durch die Schweiz rechnet Müller mit total rund 110’000 Besuchenden pro Jahr. Während fünf Jahren wird die Ausstellung durch die Schweiz touren; jeweils mit einem neuen Schwerpunkt.

Erstmals verrät Müller auch, welche die möglichen – noch stehen einige Bewilligungen aus – weiteren Standorte sind. So soll die Ausstellung Ende April von Dietikon nach Basel wandern. Weitere geplante Standorte sind: Luzern, Biel, Yverdon, Zürich (Hardturm), Chur und Altstätten im Rheintal.

Den Auftakt zur Wanderausstellung macht das Thema künstliche Intelligenz. «Für die Ausstellungsinhalte arbeiten wir mit Universitäten und Stiftungen zusammen», so Müller. Es soll wie bei allen Themen darum gehen, diese fassbar zu machen. «So wird es etwa möglich sein, sich mit einer KI-Kopie seiner selbst zu unterhalten oder mittels KI mit einem Bienenvolk zu kommunizieren.» Ein Highlight werde zudem ein 360-Grad-Kino bilden.

Müller ist es wichtig zu betonen. «Wir wollen nicht das Technorama – das übrigens von der ersten Phänomena inspiriert wurde – kopieren.» Vielmehr wolle man Themen wie KI, Mobilität und Energie, Biodiversität und Klima, Weltraum und zum Schluss im Jahr 2030 das Thema «Physik und Chemie einmal anders» erlebbar machen. «Wir sind überzeugt: Eine funktionierende Demokratie setzt voraus, dass die Menschen verstehen und wissen, wie etwas funktioniert», so Müller.

Rund zwei Stunden für Besuch einplanen
Tickets für die bis Ende April dauernde Ausstellung in Dietikon sind bereits erhältlich. Dabei bestellt man ein Ticket für ein bestimmtes Zeitfenster. «Pro Stunde lassen wir zirka 250 Besuchende in die Ausstellung. Uns ist es wichtig, dass die Besuchenden genügend Platz und Raum haben, um die Ausstellung richtig zu erleben», so Müller. Für den Besuch sollte man sich rund eineinhalb bis zwei Stunden einplanen.

Nebst der Ausstellung entwickeln die Macher eine App. «Diese wird es ermöglichen, in der ganzen Schweiz Perlen zu entdecken», so Müller. Der Gesamtleiter nennt ein Beispiel. «Sie laufen an einem Haus vorbei und erfahren, dass dieses mit Seewasser geheizt wird und umgekehrt das heruntergekühlte Wasser wieder in den See gelangt.»

Dass die zweite Ausstellung den gleichen Namen trage wie 1984, berge ein gewisses Risiko, ist sich Müller bewusst. «Wir wollen Besuchende, die von der ersten Ausstellung begeistert waren, nicht enttäuschen.»

Er erlebe allerdings beim Erwähnen der Phänomena vor allem eines: «Viele Menschen sind begeistert und freuen sich auf die Ausstellung, weil die erste Ausstellung vor über 40 Jahren bei ihnen sehr viel ausgelöst – ja nicht selten ihren Berufsweg entscheidend mitgeprägt hat.»

> Artikel in der Limmattaler Zeitung.

(Quelle Bild: PrintScreen Medienartikel / Quelle Medienartikel: Limmattaler Zeitung)
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